Geschichte

Im Juni 1926 schlossen sich in Aachen einige Versehrte des ersten Weltkrieges zusammen und gründeten unter Mithilfe des Kriegsopferverbandes die “Schwimmabteilung für Kriegsversehrte zur Förderung der Gesundheit”, um ihrem Interesse am Schwimmsport Nachdruck zu verleihen. Von 1926 bis 1930 fanden die Schwimmabende zunächst in der Schwimmhalle Adalbertsteinweg am Kaiserplatz statt, danach in der Elisabethhalle, in der neben dem Wasserballspiel auch die ersten Sprungübungen durchgeführt wurden. Auch außerhalb der Schwimmhalle war das Interesse an gemeinsamen Aktivitäten groß, was Sommerfahrten mit Angehörigen belegen. Die Zerstörung der Halle Ende 1944 legte den Übungsbetrieb lahm. Doch bereits Mitte 1946 konnten die Schwimmstunden wieder aufgenommen werden, nachdem Mitglieder mehrerer Aachener Schwimmvereine eine Wasserleitung durch die Trümmer gebaut hatten. Im gleichen Jahr stießen die Versehrten des zweiten Weltkrieges zu der Sportgemeinschaft, die zum damaligen Zeitpunkt von Ludwig Koch als 1. Vorsitzenden geleitet wurde. Zusammen mit dem befreundeten Aachener Schwimmverein ASV 06 und dem Postsportverein trug man die ersten Wettkämpfe aus.

Die ersten Ansätze des Sitzballspieles zeichneten sich ebenfalls 1946 ab. Sitzball ist ein Mannschaftsspiel, welches hauptsächlich von Beinamputierten betrieben wird. Die Mannschaften setzten sich damals fast ausschließlich aus den Reihen der Schwimmer zusammen, was die Vielseitigkeit des Versehrtensportes deutlich machte. Bis Anfang der neunziger Jahre mischten die Sitzballer aus Aachen in der höchsten Spielklasse mit und errangen etliche Male die Deutsche Meisterschaft. Die Vereinsführung ging in die Hände des begeisterten Schwimmers und Wasserballers Heinz Alt über und 1951 wurde das 25jährige Bestehen der Sportgemeinschaft im “Walfisch” in der Jakobstraße gefeiert. In diesem Jahr wurden auch die ersten Kontakte mit versehrten Sportlern aus Düsseldorf geknüpft und gemeinsame Wettkämpfe ausgetragen. Die sportliche Leitung lag zu dieser Zeit in den Händen von Josef Koch und Franz Strauch.

Bei dem 1952 in Lüdenscheid stattfindenden Sportfest schnitten die Aachener glänzend ab. Der Wunsch, auf dem Sportplatz Leichtathletik zu betreiben, konnte in den Jahren 1953 bis 1954 verwirklicht werden.Im Laufe der Jahre stellten sich mehrere Sportler für die Ausbildung zum Versehrtensportwart in der Sportschule Wuppertal zur Verfügung, so dass das Übungsangebot erweitert werden konnte. Die damaligen Sportwarte Hans Neumann, Kurt Krätzer und Roland Daniels waren erfolgreich in ihren Bemühungen, auf dem Sportplatz “Gut Trappen” einen Trainingsbetrieb aufzubauen.

Neben dem Faustballspiel wurde in fünf Disziplinen für das Sportabzeichen trainiert. Die ersten Abnahmen des Sportabzeichens datieren aus dem Jahr 1956. Ausdruck der erfolgreichen Breitensportarbeit ist die große Anzahl der erworbenen Sportabzeichen. Zwischen 1956 bis 1972 wurden ca. 300 Sportabzeichen (inkl. Wiederholungen) erworben, von 1972 bis 1990 waren es sogar 578. Nach der Amtszeit von Peter Klinkenberg erfolgte 1955 ein neuer Wechsel und Dr. Wolfgang Kockel, Vertragsarzt beim Versorgungsamt Aachen, übernahm den Vorsitz. Er war ein Mann der ersten Stunde, der für die Sorgen und Nöte der Kriegsbeschädigten, beider Weltkriege immer zur Verfügung stand. Über 30 Jahre war er als 1. Vorsitzender und Sportarzt tätig. In dieser Zeit führte er die VSG erfolgreich nach oben.

Mitte der fünfziger Jahre übernahm Toni Müller die Schwimmabteilung. Unter seiner bewährten Leitung wechselten Wettkämpfe im Schwimmen und Wasserballturniere mit den Hochburgen des Versehrtensports, wie Düsseldorf, Hamburg, Berlin, Wuppertal und Hannover, einander ab. Die folgenden Jahre waren geprägt von sportlich fairen Wettkämpfen, bis 1978 die Begeisterung für Wasserball in ganz Deutschland nachließ und der Schwerpunkt auf die Schwimmwettkämpfe verlegt wurde.

Ende der 50er Jahre eröffnete die Tischtennisabteilung unter ihrem damaligen Leiter Rudolf Gerets in der Turnhalle Minoritenstraße ihren Spielbetrieb. Zahlreiche Freundschaftsspiele mit bekannten Aachenern Tischtennismannschaften halfen der Abteilung schnell das “Spielniveau” anzuheben. Anfang der 60er Jahre erfolgte dann der Wechsel zur Turnhalle Prinzenhofstraße, in der an vier Platten trainiert werden konnte. 1964 nahm die VSG Aachen erstmals den Meisterschaftsbetrieb auf. Anfang 1960 begeisterte der inzwischen leider verstorbene Leopold Jenniches, Rettungsschwimmer der DLRG, seinen Sportkameraden Peter Kohl für die Arbeit im Behindertensport. Als Schwimmlehrer betätigten sie sich in der Schwimmhalle Elisabethstr., später in der Osthalle und der Schwimmhalle Brand. Unzählige Behinderte, vorzugsweise Kinder, wurden so mit dem nassen Element vertraut gemacht. Ab 1969 stieß eine Anzahl von Dysmelie-Kindern zur BSG Aachen. Spontan stellten sich die DLRG-Leiter für den Schwimmunterricht zur Verfügung. 1972 gesellte sich eine Gruppe spastisch behinderter Kinder dazu, die ebenfalls von Mitgliedern der DLRG betreut wurden. 1964/65 versuchten einige Mitglieder der VSG Aachen Kontakte mit Versehrten in der UdSSR, Polen und der Tschechoslowakei aufzunehmen. Fast 20 Jahre lang wurden Wettkämpfe im Volleyball mit Warschau und Prag ausgetragen. Um die Gründung dieser spielstarken Mannschaft haben sich die Sportkameraden Roland Daniels, Kurt Kratzer und Manfred Rolfes besonders verdient gemacht. So war es wenig verwunderlich, dass die Mannschaft von 1969 bis 1971 dreimal Deutscher Meister im BehindertenVolleyball wurde. 1969 wurde die Mannschaft für ihren ersten Titelgewinn mit der höchsten Auszeichnung der Stadt Aachen, dem “Silbernen Becher”, geehrt. Aufgrund ihrer hervorragenden Leistungen wurden Roland Daniels, Kurt Krätzer und Manfred Rolfes 1973 in die Volleyball-Nationalmannschaft der Behinderten berufen, mit der sie im Oktober des gleichen Jahres in Linz Vizeweltmeister wurden. Für diese hervorragende Leistung wurde ihnen 1974 der “Silberne Becher” verliehen.

Der Grundstein für die Abteilung der Bogenschützen wurde 1963 gelegt. Der damalige Übungsleiter Hans Neumann weihte die Interessenten in die Handhabung der noch einfachen Bogen ein. Anschließend übernahm der Sportkamerad Misere die Abteilung. Er war mittlerweile ausgebildeter Übungsleiter durch den Deutschen Schützenbund. 1966 musste der Übungsbetrieb aus sicherheitstechnischen Gründen auf dem Sportplatz “Gut Trappen” eingestellt werden, da die Ausrüstung der Schützen immer moderner und die Schussdistanzen immer größer wurden. Vorübergehend konnte die Abteilung den Dressurplatz im Reitstadion benutzen. 1969 war es dann soweit. Eine eigene Schießanlage war fertig gestellt, wobei vieles in Eigenleistung erbracht wurde.

Im Jahr 1971 übernahm Josef Albertz die Tischtennisabteilung. Zahlreiche Teilnahmen an Einladungsturnieren im In­und Ausland, u. a. in Prag, Warschau, Heidelberg, Wolfenbüttel und Stuttgart, brachten im Vergleich mit europäischen Behinderten nicht nur gute Ergebnisse, sondern sorgten für eine hervorragende Kameradschaft innerhalb der Tischtennisabteilung. Zu einem festen Bestandteil ist auch das alle zwei Jahre stattfindende Wanderpokalturnier in Aachen geworden. Anfang der 80er Jahre fand dann ein erneuter Hallenwechsel statt. In der Turnhalle Elsaßstraße konnte nun an sieben Tischen unter erheblich besseren Bedingungen trainiert werden.

Im Jahre 1977 wurde von Seiten des Klinikums durch Herrn Professor Effert dem damaligen Vorsitzenden Herrn Dr. Kockel der Wunsch vorgetragen, eine Koronarsportgruppe aufzubauen. Nachdem die erforderlichen Notarztgeräte sowie eine Telemetrie vorhanden waren, konnte der Übungsbetrieb beginnen. Da in dieser Anfangsphase noch keine ausgebildeten Übungsleiter zur Verfügung standen, begleiteten die Sportwarte Pettenberg und Ortmanns die Gruppe, die vorerst aus ca. zwölf Teilnehmern bestand, bei ihren ersten Gehversuchen. Im Laufe von zwei Jahren entwickelte sich ein Übungsprogramm, das die Teilnehmer, immer unter ärztlicher Kontrolle, durchführen konnten. Eine der ersten ausgebildeten Koronarsportübungsleiter war Frau Renate Heuschen, die seit 1980 die Gruppe regelmäßig betreut. Inzwischen ist die Teilnehmerzahl auf ca. 90 Personen angewachsen. Der Übungsbetrieb, für den mittlerweile fünf lizenzierte Übungsleiter zur Verfügung stehen, findet an vier Tagen in der Turnhalle Alkuinstraße statt.

Die Palette des sportlichen Angebotes wurde Anfang der neunziger Jahre ständig erweitert. Es entstand eine Rollstuhlgruppe, die u. a. Rollstuhl-Basketball spielt. In neuerer Zeit bildete sich eine Kinderrollstuhlgruppe, die spielerisch die Beherrschung des Rollstuhles übt. 1990 wurde eine Multiple-Sklerose-Gruppe unter der fachkundigen Leitung von Peter Schlächter gegründet, die einmal wöchentlich arbeitet.

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